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Erinnerungskultur

Die Erinnerung an Vergangenes ist wesentlich durch die Gegenwart geprägt, aus der heraus erinnert wird, das heißt, die Vergangenheit wird aus der Gegenwart heraus mit Bedeutung versehen.
Die Erinnerungskultur und ihre Formen unterliegen stetigem Wandel.

Erinnerungskultur bei Straßennamen
Viele Straßennamen haben einen geschichtlichen oder kulturellen Hintergrund. Aber meistens machen wir uns darüber wenig Gedanken, da die funktionale Aufgabe der Adressangabe im Vordergrund steht. Die Straßenbezeichnungen erfüllen jedoch noch weitere Zwecke:
Sie stellen zum Teil über Jahrhunderte hinweg ein "kollektives Gedächtnis" dar und sind eine Möglichkeit, verdiente Personen zu ehren und deren Wirken als Vorbilder präsent zu halten.
Allerdings sind Straßennamen immer ein Spiegel ihrer Zeit.
Sie werden von den kommunalen Gremien beschlossen, die für einen bestimmten Zeitraum die Deutungshoheit zur städtischen Geschichte für sich beanspruchen. Stets spielen die aktuellen Verhältnisse - von der Weltanschauung und Kultur bis hin zu den Herrschaftsverhältnissen der jeweiligen Epoche - eine wesentliche Rolle bei der Beurteilung von Persönlichkeiten oder historischen Begebenheiten, die dann wiederum als Grundlage für eine Straßenbenennung dienen.
Eine solche Bewertung kann aber zu unterschiedlichen Zeiten sehr verschieden ausfallen, sodass im Urteil nachfolgender Generationen eine Benennung mehr als Belastung denn als Ehrung oder als unhaltbar empfungen werden kann und muss.

In den letzten Jahren kam es bundesweit in vielen Städten in den politischen Gremien zu einer intensiven Diskussion über Straßenbenennungen, die aus heutiger Sicht Anlass zu Bedenken geben.

Straßennamen in Büdelsdorf
Die Stadt Büdelsdorf hat sich in den letzten Jahren intensiv in den städtischen Gremien mit dem Straßennamen "Gustav-Frenssen" auseinander gesetzt.
Um eine ungerechtfertigte Ehrung zurückzunehmen und an fatale menschenverachtende und antisemitische Verfehlungen zu erinnern, hat die Stadtvertretung der Stadt Büdelsdorf in ihren Sitzungen am 16.09.2021 und am 10.02.2022 beschlossen, die Gustav-Frenssen-Straße in Dichterweg umzubenennen.

Gleichzeitig hat die Stadtvertretung entschieden, eine Erinnerungskultur zu schaffen, denn bei einer bloßen Umbenennung ginge der bisherige Straßenname aus der Erinnerung verloren. Damit wäre zwar dem Ansatz Rechnung getragen, eine Ehrung nachträglich als nicht angebracht zu bewerten, gleichzeitig entfiele jedoch auch die Möglichkeit, sich über den Geschichtsunterricht hinaus an praktischen Beispielen im Alltag mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.
Die Erinnerung dient als Warnung und Mahnung gleichermaßen. Die Schrecken des Zweiten Weltkrieges und der Holocaust rücken zeitlich immer in weitere Ferne. Das ihnen zugrundeliegende Gedankengut aus Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Hass tritt auch heute noch immer wieder offen zutage. Umso wichtiger ist es, die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten wachzuhalten und sich aktiv mit der Thematik auseinanderzusetzen.

Mit Hilfe eines QR-Codes vor Ort (am Straßenschild) können sich interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie Besucherinnen und Besucher jetzt online über Gustav Frenssen informieren und die Beweggründe für die Umbennenung nachvollziehen und sich eine eigene Meinung bilden.

Zu weiteren Informationen klicken Sie auf den nachfolgenden Link: Gustav Frenssen


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