Bunte Stadtgeschichte an der Wand - wie das Graffiti in den Sitzungsraum kam
Als am Freitag, dem 18. Juli 2025, das Stadtfest „25 Jahre Stadt Büdelsdorf“ in vollem Gange war, entstand wenige Schritte vom Marktplatz entfernt etwas, das weit über dieses Jubiläumswochenende hinauswirken wird. Im Rahmen des Projekts „Jugendclub“ in der Mulde am Regionalen Bürgerzentrum trafen sich Kinder und Jugendliche, um gemeinsam mit einem Graffiti‑Künstler Chezwin Benson und dem Streetwork-Team der Brücke ein großes Wandbild für ihre Stadt zu gestalten. Ziel war es, ein attraktives Graffiti-Bild von und für junge Menschen zu schaffen und damit ihre Sicht auf Büdelsdorf sichtbar zu machen.
Der „Jugendclub“ verwandelte sich in ein professionelles Graffiti‑Atelier. Die Teilnehmenden schlüpften in Overalls, setzten Atemschutzmasken auf und streiften Nitrilhandschuhe über. Vor ihnen standen zwölf Leihwände, dazu Kisten voller Sprühdosen und verschiedener Sprühköpfe. Grundlage war ein vorgefertigtes schwarz‑weißes Motiv: Menschen, die Hand in Hand über einer stilisierten Weltkugel stehen, der Schriftzug „Büdelsdorf“ und eine junge Person mit Kopfhörern – ein Bild für Vielfalt, Zusammenhalt und alle Generationen in Büdelsdorf. Während an den Wänden gesprüht wurde, sorgte im Hintergrund ein DJ im Jugendclub in der Mulde für Musik; die Beats mischten sich mit dem Zischen der Sprühdosen und verliehen dem Workshop echtes Festival‑Feeling.
Die künstlerische Leitung hatte der Graffiti‑Sprayer Chezwin Benson, der gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen die Motive ausarbeitete und ihnen Schritt für Schritt die notwendigen Techniken vermittelte. Das Streetwork-Team der Brücke, Andrea Wieczorek und Jörn Ulrich, übernahm die pädagogische Begleitung. So wurde aus der klaren Linienzeichnung nach und nach ein farbenprächtiges Graffiti mit kräftigen Farben und individuellen Details.
Dieses Gesamtkunstwerk ist mehr als nur ein gelungener Programmpunkt beim Stadtfest. Aus den zwölf Einzelleinwänden wurden zwei große Bildelemente zusammengesetzt. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Verwaltung und Politik wurde nach einem Ort gesucht, an dem die Bilder dauerhaft sichtbar bleiben und ihre Botschaft entfalten können. Die Entscheidung fiel auf den Sitzungsraum „Eiderlust“ im Untergeschoss des Regionalen Bürgerzentrums – jenen Raum, in dem regelmäßig über die Zukunft der Stadt beraten wird.
Seit Anfang Dezember 2025 verleihen die beiden Graffiti‑Elemente dem Sitzungsraum „Eiderlust“ der Stadtverwaltung ein neues, farbenfrohes Gesicht. Der Raum, in dem Politik und Verwaltung regelmäßig über wichtige Themen und Projekte der Stadt beraten, wirkt dadurch offener und lebendiger. Die Graffitis erinnern bei jeder Sitzung daran, für wen Entscheidungen getroffen werden, und machen zugleich deutlich: Kinder und Jugendliche gestalten Büdelsdorf nicht nur in Worten, sondern sichtbar mit ihren eigenen Bildern.